Theorie
Die Physikalische Medizin befasst sich mit der Vorbeugung und Behandlung von Schmerzen und Funktionsstörungen des Stütz- und Bewegungsapparates (Muskel, Sehnen, Knochen, Gelenke, Nervensystem).
Sie setzt dabei Naturkräfte wie Temperatur, Licht, Wasser, Druck und Zug ein. Zusätzlich werden physikalische Hilfsmittel, wie im Falle des therapeutischen Ultraschalls, herangezogen.
Die therapeutischen Indikationen beim Hund und bei der Katze sind beispielsweise die Hüftgelenksdysplasie (HD) bei Hunden oder die Lähmung der Hintergliedmaßen und der Harnblase bei Hunden und Katzen nach einem Unfall.
Mit Hilfe eines individuell abgestimmten Therapieplans wird der Schmerz gelindert, eine Verbesserung in der Funktion und der Qualität der Bewegung erreicht und somit dem Tier mehr Lebensqualität geboten.
Für einen optimalen therapeutischen Effekt kann die Physikalische Medizin mit Akupunktur und/oder Osteopathie kombiniert werden.
Zielsetzung
Die primäre Zielsetzung ist die Vorbeugung und Bekämpfung von Schmerz.
Jeder kennt das Gefühl des stechenden, akuten Schmerzens infolge einer Verletzung, eines Unfalls oder einer akuten Infektionskrankheit. Der akute Schmerz soll den Körper vor dem Einwirken weiterer schädigender exogener Einflüsse schützen, und er lässt im Normalfall - im Rahmen des Wundheilungsverlaufs - wieder nach. Kommt er jedoch nicht zum Stillstand, wird der Schmerz chronisch und löst im Organismus einen komplex aufgebauten Teufelskreis aus. Bei der Chronifizierung von Schmerz kommt es zu einer verstärkten Wahrnehmung (Hyperalgesie) von Schmerzreizen und zu einem gestörten Empfinden (Allodynie) von nicht schmerzhaften Reizen aus der Umwelt. Zusätzliche schmerzauslösende Faktoren, wie Bewegungsmangel, körperliche Überanstrengung, Ernährungsfehler oder eine körperliche Fehlhaltung tragen zu der Entstehung von langanhaltendem Schmerz deutlich bei. Sie sind Mitverantworter für die Chronifizierung von Schmerz.
Schmerz ist komplex und besteht einerseits aus einer reinen Wahrnehmung von Reizen und andererseits aus einer emotionalen Komponente, die den empfangenen Reiz als negativ bewertet. Die emotionale Komponente ist beim Tier nur schwer zu beurteilen. Daher werden Schmerzen bei Tieren häufig nicht erkannt oder falsch beurteilt, wie etwa ein verminderter Spieltrieb bei alten, an Arthrosen erkranktenTieren¹.
Schmerz führt auch beim Tier zu psychischen Störungen, die sich in Form von Depressionen, Schlaflosigkeit, Aggressivität oder Angst manifestieren können.
1: Duncan. Clinical Recognition Of Pain In Cats And Dogs. Proceedings European Society Of Veterinary Orthopaedics And Traumatology 2004; 71-72.